Der Pokalsieg

Im zweiten Jahr nach dem überraschenden Bundesligaaufstieg 1983 sorgte die Mannschaft von Trainer Kalli Feldkamp in der Saison 1984/85 entgegen aller Unkenrufe nicht nur in der Bundesliga für Furore, sondern überraschte auch im DFB-Pokal. In mitreißenden Pokalschlachten besiegte man die Bundesligisten Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen. Zudem kegelte man den damals legendären Pokalschreck SC Geislingen aus dem Wettbewerb.

Im Halbfinale beim 1. FC Saarbrücken sorgte ein Tor von Vorstopper Norbert Brinkmann für den viel umjubelten Einzug ins Pokalfinale. Als Endspielgegner in Berlin wartete ausgerechnet der große FC Bayern München, der bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein Pokalfinale verloren hatte. Gegen das Starensemble von Trainer Udo Lattek gingen die Uerdinger als krasser Außenseiter ins Rennen.

Bereits nach acht Minuten schienen die Münchener ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden, als Dieter Hoeneß die Bayern mit 1:0 in Führung brachte. Doch lange Zeit geschockt zu sein blieb den Uerdingern nicht, denn exakt 34 Sekunden nach Wiederanpfiff zappelte der Ball auch im Münchener Gehäuse. Eine Flanke von Werner Buttgereit landete, abgefälscht von Klaus Augenthaler, bei Horst Feilzer, der den Ball aus 14 Metern volley zum 1:1-Ausgleich in die Maschen hämmerte.

In der Folge gewannen die Uerdinger nicht nur auf dem Spielfeld immer mehr die Oberhand, sondern auch auf den Rängen. Zwei Minuten nach der Pause wurde der bereits mit Gelb verwarnte Bayern-Verteidiger Dremmler nach einer rüden Attacke gegen Wolfgang Funkel von Schiedsrichter Föckler vom Platz gestellt. In der Folge übernahmen die Uerdinger immer mehr die Initiative und erhöhten den Druck.

Nach einer Stunde kam Peter Loontiens für Horst Feilzer in die Partie, um neuen Schwung in den Angriff zu bringen. In der 67. Minute dann der Uerdinger Führungstreffer zum 2:1.
Matthias Herget auf Werner Buttgereit, dessen klugen Pass Wolfgang Schäfer eiskalt verwandelt. Die Bayern bäumten sich in der Schlussphase noch einmal auf, doch die besseren Chancen hatten weiterhin die Uerdinger. Insbesondere Friedhelm Funkel und Peter Loontiens versäumten es die Partie vorzeitig zu entscheiden.

Mit dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr. Der krasse Außenseiter Uerdingen hatte den Nimbus der „unbesiegbaren“ Bayern gebrochen und sensationell den DFB-Pokal gewonnen. Unbeschreiblicher Jubel auf dem Platz und auf den Rängen. In Krefeld wurde die Mannschaft von weit über 10.000 begeisterten Fans auf dem Theaterplatz empfangen und feierte ausgelassen auf dem Balkon des Seidenweberhauses.

Später wurde der Triumphzug zum Uerdinger Rathaus fortgesetzt. Dort präsentierte die Mannschaft den Fans noch einmal den Pott.

Statistik:

Bayern München - Uerdingen 1:2 (1:1)
Bayern München:
Aumann, Dremmler, Augenthaler, Eder, Willmer (71. Rummenigge), Matthäus, Lerby, Pflügler, Wohlfahrt (51. Beierlorzer), Hoeneß, Kögl, Trainer: Lattek

Uerdingen: Vollack, van de Loo, Wöhrlin, Herget, Brinkmann, Buttgereit, W. Funkel, F. Funkel, Feilzer (60. Loontiens), Schäfer ,Gudmundsson (82. Thomas), Trainer: Feldkamp
Gelbe Karte: Matthäus (26.), Dremmler (40.), Hoeneß (88.) – van de Loo (12.), Feilzer (18.)
Rote Karte:
Dremmler (48.)
Tore:
1:0 Hoeneß (8.), 1:1 Feilzer (9.), 1:2 Schäfer (67.)

Schiedsrichter: Föckler Zuschauer: 70.398